Donnerstag, 26. Juni 2008

Qingdao

Hallo alle Zusammen,

gestern bzw. heute Morgen war ja wieder Fußball-Halbfinale Deutschland gegen Türkei. Und da das auch zum Glück bei uns übertragen wird, haben wir in einer Bar Bescheid gesagt, dass wir da (wir Interns) um drei aufkreuzen und mussten natürlich dafür auch wieder vorschlafen. Bei uns Interns sind auch drei Deutsch-Türken dabei, was die ganze Sache nochmal ein wenig spaßiger gemacht hat, denn jedes mal wenn ein Tor gefallen ist, hat man sich natürlich gegenseitig Sprüche an den Kopf gehauen. Und es sind ja genügend Tore gefallen. Das Spiel selbst war leider nicht so gut und irgendwie hat nichts bei den Deutschen gestimmt. Das gegen Portugal fand ich echt klasse. Naja. Blöd war auch, dass durch den Stromausfall in Österreich wir komplette 20 Minuten nichts von dem Spiel der zweiten Halbzeit mitbekommen haben und so Chinesische Kommentatoren die Pause mit Reden überbrückt haben. So haben wir 3 Tore nur durch SMS bzw. durch Zahlen die unten aufgepoppt sind, mitbekommen. Aber spaßig war’s trotzdem.

Am Montag war ich direkt nach der Arbeit in einem Chinesischen Restaurant, wo ein großer kochender Topf in der Mitte des Tisches steht, in dem sich eine Trennwand befindet und welche eine scharfe und eine milde Soße voneinander trennt. Und da drin kann man sich dann zu 8 die verschiedensten Sachen warm machen. Als ein paar von den Interns das letzte Mal in dem Restaurant waren, haben sie sich auch gleich noch Shrimps mitbestellt, bloß leider haben die noch gelebt und waren auf einem Spieß aufgespießt, so dass wir uns dieses Mal dagegen entschieden haben. Das ganze nennt sich dann „Hotpot“ und irgendwie kann man es mit Fondue vergleichen und zum Großteil macht man sich dann kleine Eier, jede Menge Gemüse und hauchdünne Fleischscheiben drin warm.

Letztes Wochenende waren wir zu sechst in Ji’nan und Qingdao. In Ji’nan gibt es nämlich wieder mal einen wunderschönen Berg, den Tai Shan, welcher wirklich der schönste in China sein soll und welchen am Wegrand nach oben jede Menge schöner alter Chinesischer Tempel säumen. Zu diesem Berg gibt es auch eine schöne Geschichte, die Geschichte von Pan Gu: Am Anfang, als noch alles Chaos war und Himmel und Erde noch eins waren, wurde Pan Gu geboren und begann Himmel und Erde voneinander zu trennen. Jeden Tag wurde die Erde dicker und der Himmel höher, bis nach schließlich 18.000 Jahren beide vollständig voneinander getrennt waren und Pan Gu an Erschöpfung starb. Sein Körper zersetze sich und seine Augen wurden Sonne und Mond, sein Blut wurde zu Flüssen, seine Tränen wurden zu Regen und sein Kopf und die Gliedmaßen wurde zu den fünf bekanntesten Bergen in China, der Kopf zum Tai Shan (…Auszug ausm Lonely Planet). Um den zu besteigen, sind wir Freitag direkt nach der Arbeit zum Bahnhof gefahren und sind von dort mit dem Nachtzug nach Ji’nan. Der Nachtzug war recht lustig, weil man, wenn man Hard Sleeper bucht, mit 50 anderen Chinesen in einem großen Abteil mit jeweils 3 Betten übereinander schläft. Eine wirkliche Trennung gibt es dabei nicht, so dass man wirklich jeden am anderen Ende des Abteils Schnarchen hört. Als wir dann nach 13 Stunden früh um 7 angekommen sind, sind wir zum Fuß des Berges gefahren und haben auch gleich den Aufstieg begonnen. Unten sind wir dann auf einen Chinesen getroffen, der auf jeder Stufe Halt gemacht hat, sich auf den Boden gelegt hat und 18-mal mit dem Kopf auf den Boden getippt hat. Und danach ging’s weiter zur nächsten Stufe.
Der Berg war wirklich sehr schön und die Stufen waren sehr sehr steil angelegt, so dass einem teilweise schon richtig schwindelig geworden ist. Aber es war eine super Aussicht und man hat viele interessante alte Chinesische Tempel sehen können. Und da wir auch noch durch so einen speziellen Bogen gelaufen sind, sind wir jetzt alle unsterblich.
Runter sind wir aber mit der Seilbahn, da uns dann auch noch die Zeit gefehlt hatte und wir am gleichen Tag noch nach Qingdao weiter gefahren sind.
Qingdao ist ein kleines Deutschland mitten in China. Irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts haben sich Deutsche Siedler hier niedergelassen und jede Menge Häuser in Deutsch-Europäischen Stil errichtet und teilweise kommt man sich echt vor wie in Deutschland. Zunächst waren wir direkt nach dem Aufstehen auf einem typischen Chinesischen Markt, wo es alle möglichen Sachen, aber hauptsächlich Fisch gab, denn Qingdao ist, da es so nah am Wasser liegt, sehr für sein Sea-Food bekannt. Der Markt war super interessant und wir haben über Fisch, der aussieht wie Darm, Muscheln, die meterweit spucken können und Skorpionen jede Menge tolle Sachen gesehen. An den Skorpionen konnte ich natürlich nicht einfach so vorbei gehen und so habe ich mir den Uli geschnappt und wir haben zu zweit jeder einen Skorpion probiert. Der Skorpion wurde dazu heiß in Erdnussöl angebraten und wurde komplett mit Scheren und Stachel gegessen. Eigentlich hat man nichts weiter durchgeschmeckt als das Erdnussöl, aber schlecht hat er nicht geschmeckt. Weiterhin liegt Qingdao mitten am Meer und hat 6 verschiedene Strände. Leider hatten wir nicht die Zeit alle Strände auf ihre Tauglichkeit hin zu untersuchen, aber den einen den wir gefunden haben, der war über und über voll mit Algen, den ganz viele fleißige Männer und Bagger versucht haben mit Händen und Schaufeln wegzumachen. Denn hier sollen ja schließlich in zwei Monaten die Segelregatten der Olympiade stattfinden und dafür muss dann alles sauber sein. Aber das wird, denn wenn ich ein was in China gelernt habe, ist dass Entscheidungen hier rasend-schnell umgesetzt werden können. Ansonsten hat Qingdao auch noch eine sehr berühmte Brauerei, welche Bier ins ganze Land liefert und auch das beste Bier von allen Chinesischen Bieren macht und besitzt einen kleinen Stadtteil, der nur dem Bier huldigt. Was wir sehr lustig fanden, war dass an den verschiedenen Straßenbuden Bier in Plastiktüten verkauft wurde. Das ganze wurde dann auf der Straße ausm Fass befüllt, mit einer Waage gewogen und mit einem Strohhalm aus der Tüte getrunken. Mit den Tüten bewaffnet sind wir dann in ein kleines abgelegenes Fisch-Restaurant, um auch das Sea-Food mal zu probieren. Da haben wir uns dann Shrimps, Muscheln, einen Fisch in einer Pfeffersoße und Tintenfisch bestellt, was alles sehr sehr toll war. Nach diesem anstrengenden Wochenende sind wir dann am Sonntagabend wieder mit dem Flugzeug zurück nach Hangzhou, um noch ein wenig schlafen zu können, bevor es wieder auf Arbeit geht. Und jetzt freue ich mich tierisch auf Sonntag, wenn Deutschland im Finale steht und werde mir deswegen am Wochenende auch extra ein T-Shirt in Shanghai kaufen. So. Dann sende ich noch viele liebe Grüße aus dem schönen Hangzhou ins bezaubernde Deutschland und bis bald. Hannes.

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